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Bonitätsprüfung: Was sie bedeutet und wie sie funktioniert
- Die Bonitätsprüfung bewertet Ihre Kreditwürdigkeit anhand verschiedener Faktoren wie Zahlungshistorie, Einkommenssituation sowie bestehenden Verbindlichkeiten und umfasst somit weit mehr als nur die SCHUFA.
- Der neue SCHUFA-Score auf einer Skala von 100 bis 999 Punkten ersetzt das alte Bewertungssystem und soll die Kreditwürdigkeit transparenter und nachvollziehbarer abbilden.
- Jeder Verbraucher hat das gesetzliche Recht auf eine kostenlose Selbstauskunft bei allen Wirtschaftsauskunfteien - einmal jährlich können Sie Ihre gespeicherten Daten kostenfrei einsehen und auf Richtigkeit prüfen.
Wir folgen unserer
Geprüft von Sven Wilke6 Min. Lesezeit | Persönliche Finanzen
Ob Kredit, Mietwohnung oder Mobilfunkvertrag - bevor ein Vertragspartner mit Ihnen ins Geschäft kommt, wird er Ihre Bonität prüfen. Bonität bezeichnet die Kreditwürdigkeit einer Person und gibt Auskunft darüber, wie zuverlässig jemand seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommt, dokumentiert durch Wirtschaftsauskunfteien wie die SCHUFA. Je besser Ihr Bonitätsscore, desto höher Ihre Chancen auf günstigere Konditionen bei Krediten und Verträgen.
In diesem Beitrag erfahren Sie, wie eine Bonitätsprüfung funktioniert, was sie beeinflusst und wie Sie Ihre eigene Bonität kostenlos online einsehen können.
Wann wird eine Bonitätsprüfung durchgeführt?
Die Bonitätsprüfung dient Ihrem Vertragspartner als Absicherung. Sie gibt Aufschluss darüber, ob Sie in der Lage sind, Ihre Zahlungsverpflichtungen zuverlässig und fristgerecht zu erfüllen.
Die häufigsten Szenarien im Überblick:
- Kreditabschluss (für jegliche Kreditarten, auch Kleinkredite)
- Mobilfunkverträge
- Kauf oder Miete einer Immobilie
- Rechnungskauf
- Eröffnung eines Girokontos
- Abschluss von Versicherungen
Eine Bonitätsprüfung findet somit immer dann statt, wenn für den abzuschließenden Vertrag ein wirtschaftliches Risiko besteht. In solchen Fällen hat der Vertragspartner ein berechtigtes Interesse, Ihre Kreditwürdigkeit zu prüfen, ohne dass Sie gesondert zustimmen müssen. Liegt kein solches berechtigtes Interesse vor, ist Ihre ausdrückliche Einwilligung erforderlich, bevor eine Bonitätsabfrage durchgeführt werden darf.
Was wird bei der Bonitätsprüfung abgefragt?
Es gibt einige Merkmale, die die verschiedenen Wirtschaftsauskunfteien für die Bonitätsabfrage prüfen. Für Verbraucher ist oft nicht transparent, welche Daten für die Bonitätsprüfung genau genutzt werden. In erster Linie spielt Ihr Zahlungsverhalten eine wichtige Rolle, da Wirtschaftsauskunfteien Informationen von Unternehmen sammeln, mit denen Sie zusammenarbeiten.
Kriterien, die bei der Bonitätsprüfung eine Rolle spielen, sind beispielsweise:
Laufende Kredite und ihre Abwicklung
Monatliches Einkommen
Aktueller Kontostand
Anzahl der Kreditkarten und Konten
Liegt eine Privatinsolvenz vor?
Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben
Dauer der aktuellen Wohnadresse
Alter des ältesten Bankkontos
Selbstverständlich werden auch persönliche Informationen wie Name, Wohnort sowie Familienstand abgeglichen. Diese haben jedoch keinerlei Auswirkung auf Ihre Bonität.
Positive Merkmale bei der Bonitätsprüfung
Wenn Banken oder Unternehmen Ihre Bonität prüfen, zählen vor allem ein regelmäßiges und ausreichend hohes Einkommen, ein unbefristetes Arbeitsverhältnis sowie eine langjährige Bankverbindung zu den positiven Signalen.
Auch pünktlich bediente Kredite, eine geringe Kreditauslastung und vorhandenes Eigenkapital wirken sich positiv auf Ihren Score aus. Darüber hinaus sollten Sie nicht genutzte Bankkonten und Kreditkarten schließen - zu viele offene Verbindlichkeiten, selbst wenn sie inaktiv sind, können Ihren Score unnötig belasten.**
Negative Merkmale bei der Bonitätsprüfung
Negative Merkmale signalisieren Ihrem Vertragspartner ein erhöhtes Ausfallrisiko und können dazu führen, dass ein Kredit abgelehnt, eine Wohnung nicht vergeben oder ein Vertrag gar nicht erst abgeschlossen wird.
Zu den häufigsten negativen Einträgen zählen Zahlungsverzögerungen, Mahnbescheide, laufende Inkassoverfahren oder eine Privatinsolvenz. Aber auch häufige Kontowechsel, zu viele Kreditanfragen in kurzer Zeit oder eine hohe Anzahl gleichzeitig laufender Kredite können Ihren Score verschlechtern.
Gut zu wissen:
Wenn Sie Kredite, Handyverträge und Konten vertragsgemäß und diszipliniert zahlen, ist das bereits ein sehr positives Signal, da das Risiko eines Zahlungsausfalles als sehr niedrig eingestuft wird.
Wie lange dauert die Bonitätsabfrage?
Für die meisten Verbraucher ist die Bonitätsprüfung eine Angelegenheit von wenigen Minuten. Da Unternehmen wie Banken, Mobilfunkanbieter oder Vermieter die Abfrage vollautomatisiert über Wirtschaftsauskunfteien wie die SCHUFA durchführen, liegt das Ergebnis in der Regel sofort vor.
Auch wenn Sie Ihre eigene Bonität über kostenpflichtige Dienste wie bonify oder den SCHUFA BonitätsCheck prüfen möchten, erhalten Sie Ihre Ergebnisse innerhalb weniger Minuten online. Lediglich die kostenlose Datenkopie, auf die Sie einmal jährlich ein gesetzliches Recht haben, kann je nach Auskunftei mehrere Wochen in Anspruch nehmen.
Der neue SCHUFA-Score ab 2026
Die SCHUFA hat ihr Scoring-System grundlegend überarbeitet. Ab Ende März 2026 gilt ein neuer, vereinfachter Score, der auf einer Punkteskala von 100 bis 999 basiert. Je höher der Wert, desto besser Ihre Bonität.
Das bisherige Prozentsystem (0 bis 100%) wird damit abgelöst. Die Anzahl der Bewertungskriterien wurde von bis zu 250 auf nur noch 12 klar definierte Faktoren reduziert.
Die 12 Kriterien des neuen SCHUFA-Scores:
Alter der ältesten Kreditkarte
Dauer der aktuellen Wohnadresse
Anfragen und Abschlüsse für Girokonten und Kreditkarten (letzte 12 Monate)
Kredit mit der längsten Restlaufzeit
Anfragen für Telekommunikation und Online-Shopping (letzte 12 Monate)
Alter des ältesten Bankkontos
Immobilienkredit oder Bürgschaft vorhanden
In den letzten 12 Monaten eröffnete Ratenkredite
Kreditstatus (laufend, abgeschlossen, ausgefallen)
Hinterlegte Identitätsprüfung
Jüngste Kreditlinie
Zahlungsausfälle oder Rückstände
Verbraucher können den neuen Score erstmals kostenlos online einsehen, inklusive der Faktoren, die ihn beeinflussen. Dafür ist eine einmalige Registrierung im neuen SCHUFA-Account mit der Online-Ausweisfunktion des Personalausweises nötig.
Orientierung für die neue Skala:
776-999 Punkte: Sehr gute Bonität, beste Chancen auf günstige Kreditkonditionen
709-775 Punkte: Gute Bonität, solide Chancen auf Kredite
Unter 709 Punkte: Eingeschränkte Bonität, höhere Zinsen oder Ablehnungen möglich
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Bonitätsprüfung online durchführen: So geht's
Wenn Sie Ihre Bonität online prüfen möchten, gibt es hierfür einige Möglichkeiten. Laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sind Sie berechtigt, kostenlose Selbstauskünfte bei allen Auskunfteien anzufordern.
Welche sind die bekanntesten Auskunfteien?
- SCHUFA: Über den neuen SCHUFA-Account können Sie Ihren Score kostenlos online einsehen. Alternativ beantragen Sie eine kostenlose Datenkopie unter meineSCHUFA.de.
- CRIF: Bietet eine kostenlose Selbstauskunft per Online-Antrag auf crifbuergel.de.
- Boniversum (jetzt Teil von Experian): Kostenlose Selbstauskunft per Post über boniversum.de.
- bonify: Kostenlosen Bonitätscheck mit SCHUFA-Daten direkt online durchführen auf bonify.de.
Ist die Bonitätsprüfung kostenlos?
Aus Art. 15 DSGVO geht hervor, dass Sie das Recht haben, kostenlose Selbstauskünfte bei Auskunfteien anzufordern. Die DSGVO spricht von "angemessenen Abständen", ohne eine genaue Häufigkeit festzulegen.
Wenn Sie sofort eine kostenfreie Bonitätsprüfung durchführen möchten, können Sie diese über den neuen SCHUFA-Account online durchführen. Weiter oben finden Sie weitere Wirtschaftsauskunfteien, die Informationen über Ihre Bonitätsbewertung liefern.
Für kostenpflichtige Auskünfte mit zusätzlichen Details (z. B. den SCHUFA-BonitätsCheck für Vermieter) fallen Kosten zwischen 14,95 und 29,95 Euro an.
Financer-Tipp:
Wir raten dazu, auf Eigeninitiative die eigene Bonität online zu prüfen. So behalten Sie Ihre finanzielle Situation im Griff, indem Sie erfahren, wie Banken Sie einschätzen.
Dadurch vergewissern Sie sich, dass alle Angaben korrekt sind. Basierend auf den Ergebnissen der Auskunft können Sie Ihre SCHUFA-Score verbessern und einen Finanzplan schmieden.
Konditionsanfrage vs. Kreditanfrage: Der wichtige Unterschied
Wenn Sie einen Kredit suchen und bei mehreren Banken anfragen, sollten Sie den Unterschied zwischen einer Konditionsanfrage und einer Kreditanfrage kennen:
- Eine Kreditanfrage wird in Ihrer SCHUFA-Akte vermerkt und ist für andere Kreditgeber sichtbar. Mehrere Kreditanfragen in kurzer Zeit können Ihren Score negativ beeinflussen, weil die SCHUFA daraus schließen könnte, dass Sie von anderen Banken abgelehnt wurden.
- Eine Konditionsanfrage hingegen hat keinen Einfluss auf Ihren SCHUFA-Score. Sie ist SCHUFA-neutral und ermöglicht es Ihnen, Angebote verschiedener Banken zu vergleichen, ohne Ihre Bonität zu gefährden.
Unser Tipp: Achten Sie bei der Kreditsuche darauf, dass die Bank eine Konditionsanfrage (und keine Kreditanfrage) an die SCHUFA stellt. Bei Kreditvergleichsportalen wie Financer ist das in der Regel automatisch der Fall.
Bonität verbessern: 5 praktische Tipps
Ihre Bonität ist nicht in Stein gemeißelt. Mit den richtigen Maßnahmen können Sie Ihren Score schrittweise verbessern:
Rechnungen pünktlich bezahlen: Jede verspätete Zahlung, die zu einer Mahnung oder einem Inkassoverfahren führt, hinterlässt negative Spuren in Ihrer Akte.
Ungenutzte Konten und Kreditkarten kündigen: Mehrere ungenutzte Bankverbindungen und Kreditkarten können sich negativ auf Ihre Bewertung auswirken.
Fehlerhafte SCHUFA-Einträge löschen lassen: Überprüfen Sie Ihre Auskunft regelmäßig und lassen Sie falsche oder veraltete SCHUFA-Einträge korrigieren. Negative Einträge können bis zu 3 Jahre in Ihrer Akte verzeichnet bleiben.
Kredite ordnungsgemäß tilgen: Eine saubere Kredithistorie mit regelmäßigen Zahlungen stärkt Ihre Bonität. Schulden abzubauen sollte Priorität haben.
Nicht zu viele Anfragen stellen: Vermeiden Sie mehrere Kreditanfragen in kurzer Zeit. Nutzen Sie stattdessen Konditionsanfragen.
Kredit ohne Bonitätsprüfung: Ist das möglich?
Einen Kredit völlig ohne Bonitätsprüfung gibt es nicht. Seriöse Kreditgeber sind gesetzlich zur Prüfung der finanziellen Situation ihrer Kunden verpflichtet.
Für Personen mit negativen SCHUFA-Einträgen, die jedoch über ein regelmäßiges Einkommen verfügen, kann ein sogenannter schufafreier Kredit dennoch eine Option sein. Dabei handelt es sich um Auslandskredite, die statt einer SCHUFA-Abfrage eine eigenständige Bonitätsprüfung anhand von Einkommensnachweisen durchführen und über spezialisierte Vermittler wie Maxda oder Bon-Kredit beantragt werden können.
Die Nachteile liegen jedoch auf der Hand: Die Zinsen fallen mit 11-15% deutlich höher aus als bei klassischen Ratenkrediten, und die Kreditsummen sind meist auf 7.500 € begrenzt, was sie für größere Anschaffungen ungeeignet macht.
Häufig gestellte Fragen zur Bonitätsprüfung
Was ist eine Bonitätsprüfung?
Bei der Bonitätsprüfung wird anhand Ihrer persönlichen Daten und Ihres bisherigen Zahlungsverhaltens Ihre Kreditwürdigkeit ermittelt. Diese Bewertung nutzen potenzielle Vertragspartner, von Banken über Mobilfunkanbieter bis hin zu Vermietern, um einzuschätzen, ob Sie Ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen werden. Zahlungsversäumnisse, die zu Mahnungen oder Inkassoverfahren führen, wirken sich negativ auf Ihre Bonität aus.
Warum ist ein Bonitätscheck sinnvoll?
Es kann sein, dass es fehlerhafte Einträge oder Daten in Ihrer Akte gibt, die Ihre Bonität verschlechtern und somit die Chancen auf eine Kreditzusage verringern. Sie sollten regelmäßig die eigene Bonität prüfen, um fehlerhafte Einträge zu löschen und sich ein besseres Bild über den eigenen Kredit-Score zu verschaffen.
Welche Rolle spielt die SCHUFA bei der Bonitätsprüfung?
Der SCHUFA-Score ist bei Bonitätsprüfungen entscheidend, da er Ihr bisheriges Zahlungsverhalten dokumentiert und Unternehmen so hilft, das Ausfallrisiko einzuschätzen. Ab 2026 basiert der neue SCHUFA-Score auf 12 klar definierten Kriterien und nutzt eine Skala von 100 bis 999 Punkten. Verbraucher können diesen Score erstmals kostenlos online einsehen.
Kann ich einen Kredit ohne Bonitätsprüfung erhalten?
Komplett ohne Bonitätsprüfung vergibt keine seriöse Bank einen Kredit. Es gibt jedoch sogenannte Kredite ohne SCHUFA, die über ausländische Finanzinstitute vermittelt werden und keine SCHUFA-Abfrage beinhalten. Auch hier wird Ihre finanzielle Situation gründlich geprüft, um sicherzustellen, dass Sie über ausreichende Mittel zur Rückzahlung verfügen.
Wie viel Prozent ist eine gute Bonität?
Mit dem neuen SCHUFA-Score ab 2026 wird die Bonität nicht mehr in Prozent, sondern auf einer Punkteskala von 100 bis 999 angegeben. Als gute Bonität gelten Werte ab 709 Punkten. Werte zwischen 776 und 999 Punkten stehen für eine sehr gute bis ausgezeichnete Bonität. In der alten Prozentskala galt ein Score über 95% als gut.
Sind Bonität und SCHUFA das Gleiche?
Nein, Bonität und SCHUFA sind nicht dasselbe. Ihre Bonität beschreibt Ihre gesamte Kreditwürdigkeit, die sich aus Einkommen, Vermögen, Zahlungsverhalten und weiteren Faktoren zusammensetzt. Die SCHUFA ist lediglich eine von mehreren Auskunfteien, die einen Score berechnet, der ein wichtiger Baustein Ihrer Bonitätsbewertung ist.
Quellenverzeichnis:
SCHUFA: Neuer Score ab 2026
Verbraucherzentrale: Bonitätsprüfung und SCHUFA
Art. 15 DSGVO: Auskunftsrecht
Dr. Klein: Bonitätsprüfung erklärt

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